Verwirrende Wasserhähne, Strudelstudien und der Rest der Südinsel

Nicht nur die Wolken am Himmel sehen hier irgendwie anders aus, als daheim. Das mit der Sonne war am Anfang sehr verwirrend und hat dem archaischen „ich brauche doch keinen Kompass“ nicht nur einmal den Stinkefinger gezeigt. Die „gelbe Sau“, wie sie in Wien nach durchmachter Nacht gerne genannt wird, steht zu Mittag auf der anderen Seite der Welt nämlich im Norden. Sehr verwirrend. Auch diejenigen Sternbilder, die sowohl auf der Nord- als auch der Südhalbkugel sichtbar sind, stehen auf dem Kopf. Gut, das wäre mir nicht aufgefallen, wenn ich nicht darauf hingewiesen worden wäre, denn meine astronomischen Kenntnisse beschränken sich auf den großen Wagen und – tja, und das war’s schon. Und den sieht man nicht hier unten. Dafür das Kreuz des Südens, aber das wiederum sieht man ja bei uns nicht und somit fällt es nicht weiter auf, dass es verkehrt herum wäre, wenn man es sehen würde. Tut man aber nicht. Sehr verwirrend.

Das Gerücht, dass abfließendes Wasser sich hier in die andere Richtung dreht als daheim, wurde übrigens schon vor längerem widerlegt. Das hat lediglich mit der Bauart und Montage der Abflüsse zu tun. Auch bei uns dreht es sich einmal so und bei einem anderen Waschbecken anders herum. Hab ich weder hier noch daheim ausprobiert, ist aber angeblich so. Falls jemandem jetzt gerade unglaublich fad ist kann er ja ein paar Freunde besuchen (was in jedem Fall eine gute Idee ist) und eine kleine Statistik über die Drehrichtung von Wasserabflussstrudeln machen. Oder bei einem Bierchen zusammensitzen und darüber diskutieren, ob die Theorie nun stimmt oder nicht. Löst zwar das Problem nicht, macht aber sicher mehr Spaß, als Stricherllisten über Wasserabflussstrudeldrehrichtungen zu machen.

Wo waren wir gerade?

Ah ja, bei den Unterschieden.

Der Neuseeländische Installateur hält es offenbar aus irgendeinem nicht ersichtlichen Grund für besonders schlau, bei Waschbecken zwei getrennte Wasserhähne anzubringen. Auf der einen Seite des Beckens einen fürs Warmwasser (eigentlich müsste es Heißwasser heissen), auf der anderen Seite, möglichst weit vom heißen entfernt, einen für’s Kaltwasser. Wie man sich nun mit lauwarmem Wasser waschen soll hat sich mir bislang nicht erschlossen. Selbst mit schnellem heiß-kalt-heiß-kalt-Wechsel mag sich kein laues Gefühl in den Händen einstellen. Herr Kneipp hätte seine Freude. Ich nicht. Sehr verwirrend.

  
Aber eigentlich wollte ich ja von der Reiseroute erzählen.

Von den Catlins zogen wir weiter nach Dunedin, einer sehr sympathischen, kleinen Stadt. Ich bin jetzt nicht sicher, ob ich über Dunedin nicht schon geschrieben habe, allerdings gerade auch zu faul, um nachzusehen. Das macht aber nichts, weil viel mehr fällt mir jetzt eh nicht zu Dunedin ein. Eine Erkenntnis zieht sich übrigens jetzt schon durch auf dieser Reise: für einen Städtetrip braucht man nicht herzukommen. Alles sehr hübsch und sauber und schön, ja. Aber die unglaublich schöne Landschaft rundherum überstrahlt einfach jede Stadt. Und irgendwie sehen alle Städte gleich aus. Okay, manche haben höhere Häuser als andere, manche buntere, manche einen Hafen und andere wieder nicht. Aber in den knapp 200 Jahren europäischer Besiedlung hat sich meines Erachtens kein wirkliches Stadtbild entwickelt. Wenn ich da an Wien, Rom, Paris, Eisenstadt denke schaut eigentlich alles ein bissl gesichtslos aus. Aber gut, das ist meine Meinung und falls ein Dunediner oder eine Wellingtonerin sich jetzt auf den Schlips getreten fühlen, sei mir das bitte verziehen.

Auch die Maori unter den Leserinnen und Lesern mögen nachsichtig sein, aber die groß angekündigten Höhlenmalereien der vor 800 Jahren aus Polynesien eingewanderten Ureinwohner haben mich eher an Kindergekritzel erinnert. Gut, ich bin, wie an meiner Sydney-Zeichnung unschwer zu erkennen ist, ein Banause in diesen Dingen. Aber, hallo, die Maoris sind berühmt für ihre wunderbaren, filigranen und verschnörkselten Ornamente, die hier allgegenwärtig in Tätowierungen, Schnitzereien, Schmuckstücken aus dunkelgrünem Jade zu bewundern sind. Da dürfte zur Zeit der Entstehung der von uns betrachteten Bilder der Zeichenbeauftragte eher für andere Dinge Talent gehabt haben (die Entwicklung der Mischarmatur war es vermutlich nicht), bevor er von seinen weitaus begabteren Nachfolgern abgelöst wurde.

Wo waren wir. Ah ja, die Route.

Über Oamaru (ich sage nur Eisenbahn und Pinguine) und Ohau ging es zum Mount Cook. Das ist der höchste Berg Neuseelands und wirklich ein beeindruckender Kerl, der sich allerding meistens in den allgegenwärtigen Wolken zu verstecken versucht. Doch wieder einmal hatten wir Glück und wurden mit einem selbst für einen Alpenländer unglaublich schönen Bergpanorama belohnt. Auch dem gigantischen Tasman-Gletscher statteten wir einen Besuch ab. 26 Kilometer ist der lang und er schrumpft jedes Jahr um ca. 800 Meter. Eines der Probleme, die Nord- und Südhalbkugel sich teilen (da müsste das mit den Wasserhähnen doch auch hinzubekommen sein, oder? Naja, ich will nicht weiter drauf herumreiten und habe wieder etwas, auf das ich mich zu Hause freuen kann).  

  Weiter ging es zum Lake Tekapo. Das besondere am Gebiet um den See, einer gigantischen Hochebene, ist die klare Luft. So klar, dass hier Observatorien stehen, mit denen man den wahrhaft unpackbaren Sternenhimmel so gut beobachten kann, wie kaum sonst wo auf der Welt. Da uns auch hier die Wolken im Land der langen weißen Wolke dankenswerterweise wohl gesinnt waren, durften wir den Sternenhimmel in natura und im Rahmen einer nächtlichen Führung durch ein riesengroßes Teleskop bewundern. Unfassbar schön.

  
Es folgten ein paar Regentage, einen davon verbrachten wir in Hanmer Springs, das für seine Therme berühmt ist. Um mich kurz zu fassen: eh sehr angenehm, aber für einen Thermenurlaub braucht man auch nicht die weite Reise machen.

Über den Lewis Pass mit einem kurzen Halt beim Nina-Valley zogen wir nach Pelorus Bridge weiter. Das kennen eingefleischte Hobbitfans angeblich aus dem Film, irgendeine „Fass-Szene“ wurde da gedreht. Viel beeindruckender war für uns eine vierstündige Wanderung auf den Hausberg direkt neben dem Campingplatz und ein Nachtspaziergang zu einem Wasserfall der besonderen Art: auf den Felsen rundherum wohnen abertausende Glühwürmchen, die den Sternenhimmel über Lake Tekapo beinahe in den Schatten stellten. Ein tolles Gefühl in der absoluten Dunkelheit von unzähligen leuchtenden Punkten umgeben zu sein. 

  
Es folgte noch ein Tag in den malerischen Marlborough-Sounds (die allerdings keineswegs raucherfreundlicher als das übrige Neuseeland sind), und gestern haben wir Picton erreicht, unsere letzte Station auf der Südinsel. Eine kleine Stadt halt. Eh nett. Aber das Thema hatten wir ja schon.

Heute Nachmittag ging es auf die Fähre und nach knapp vierstündiger Überfahrt sind wir in Wellington angekommen, der Hauptstadt Neuseelands. 

Etwas über 10.000 Kilometer haben wir seit unserer Abfahrt von Adelaide zurückgelegt, jeden Tag neue Dinge gesehen, erlebt, entdeckt. Jetzt liegen noch drei Wochen auf der Nordinsel vor uns, ein Abstecher auf die Cook Islands, bis es wieder nach Hause geht. Ich denke, da gibt es noch einiges zu erleben und zu erzählen…