Letzte Tage, vollautomatische Fluggastentnervungsmaschinen und ab in die Südsee

Zum Ausklang unserer Neuseeland-Tour wurden wir mit herrlichem Kaiserwetter belohnt und verbrachten ein paar wunderschöne Tage nördlich von Auckland – lesen, Gitarre spielen, in den Wellen planschen und von malerischen Sonnenuntergängen begleitet den Strand entlang schlendern. 

  
Ein bisschen Stress kam auf, als wir feststellten, dass das erlaubte Gepäck bei unserem Flug auf die Cook Islands nicht, wie auf allen bisherigen Flügen, 30 kg pro Koffer sondern nur 23kg beträgt. Viel von dem Zeug, das wir dabei hatte, würden wir auf den Cook Islands ohnehin nicht mehr brauchen, also packten wir zwei Kartons mit Schlafsäcken, Unterlagen, Souvenirs, Büchern und Gewand voll und schickten sie Richtung Heimat an einen Freund in Obersiebenbrunn. Die freundliche Dame in dem Laden, der auch für den Postversand zuständig ist, bestand darauf, dass der Ortsname auch auf Englisch angeführt werden muss. Steht ja auch auf der Schachtel: „City (in English)“. Also flugs „Oversevenfountain“ dazu gekritzelt und ab die Post. Ich bin neugierig, ob und vor allem wo die Packerln ankommen.

Den Tag vor unserem Abflug verbrachten wir in Auckland, genauer gesagt im Bezirk Ponsonby. Sehr gemütlich, entspannt, sympathisch und angenehm, mit vielen netten kleinen Restaurants und Pubs, einem bunten Mix aus viktorianischen und modernen Bauten, gesäumt von vielen duftenden Büschen und Bäumen. Ein Ort zum Wohlfühlen.

  
Letzten Samstag machten wir uns dann recht zeitig in der Früh auf den Weg zum Flughafen. Der Abflug 9:25, da sollte es reichen, wenn wir um acht beim Check-In sind. Stand auch so im Internet: Check-In ab 07:55. Doch wir hatten die Rechnung ohne die Neuseeländische Hochtechnologie gemacht. In der Abflughalle Menschenmassen. Angestellt beim New Zealand Air Schalter. Bei den anderen Fluglinien nicht. Seltsam. Gut, also haben wir uns in die Schlange eingereiht. Schilder verkündeten den vermeintlich einfachen Ablauf: 1 – am Selbstbedienungs Terminal einchecken, 2 – Gepäck aufgeben, 3 – zum Gate gehen. Kann ja nicht so schwer sein und wird schon funktionieren, einen IKEA-Kasten kann ich ja auch ohne größere Schwierigkeiten zusammenbauen und bin somit mein Dasein als arbeitender Kunde gewohnt. Endlich am vorderen Ende der (ersten) Schlange angekommen erblickte ich ein freies Terminal. 

Also los. Erst einmal Pässe scannen. 

Nach ein paar Anläufen hat das tatsächlich auch funktioniert. Enttäuscht starrten wir auf den Bildschirm. Alles, was er uns zu sagen hatte war: „Dieses Terminal kann derzeit keine Boardingpässe drucken“. Auf Englisch übrigens. Abgesehen davon gab es nur diverse Chinesische Sprachvarianten zur Auswahl. Vielleicht auch Japanisch oder Vietnamesisch oder Koreanisch. Jedenfalls kein Deutsch, Französisch, Italienisch. Wie auch immer, unser Englisch ist ganz passabel und so sollte wenigstens das keine Hürde darstellen. Das nächste Terminal war williger und spuckte schließlich zwei Boardingpässe und zwei Gepäckskleber aus. DIe Dinger, die normalerweise bei der Gepäckaufgabe von einem Angestellten am Koffer befestigt werden. Das hat vermutlich auch seinen Sinn, denn es ist gar nicht so leicht, die Klebeflächen halbwegs plan aufeinander zu picken. Die erste Übung war also geschafft und stolz reihten wir uns in die zweite Schlange ein, die zur Gepäckaufgabe. Erstaunlicherweise war die wesentlich länger und auch die Uhr tickte unerbittlich. Nur noch 20 Minuten bis zum Boarding. „Das wird sich alles ausgehen, you’ll be fine“, erklärte uns eine Angestellte. 

Im Zeitlupentempo trippelte die zunehmend unruhiger werdende Herde an gepäckaufgabewilligen Fluggästem voran. Und da sah ich es, das Unheil verkündende Schild am Ende der Schlange: „Der Welt erste biometrische vollautomatische Gepäckaufgabe“. Kein Scheiss. Könnte aus einem Science-Fiction-Comedy-Roman von Douglas Adams stammen, ist aber blanke Realität. Eine große Maschine mit jeder Menge Laserabtastdinger und einem Förderband, seitlich montiert ein Monitor und ein weiterer Scanner. Erst einmal Pässe scannen. Der erste Pass wurde noch bereitwillig gelesen, beim zweiten wurde die Maschine schon grantig und empfahl uns, besser einen Mitarbeiter zu Rate zu ziehen. Der war auch gleich zur Stelle, wirklich hilfsbereit und freundlich. Er schaffte es tatsächlich nach dem zehnten Versuch, die Pass einzulesen und schon durften wir unseren ersten Koffer auf das Band stellen. Wie schon erwähnt war das anbringen der Gepäckskleber kein leichtes Spiel, entsprechend zeigte das Wunderwerk der Technik vor unserer Nase erheblichen Widerwillen, den darauf aufgebrachten Strichcode zu entziffern. Unser Helfer rückte und zupfte alles mehrmals zurecht und schließlich – Hurra! – der erste Koffer war eingescannt. Aber schwer. Nicht zu schwer, er hatte genau 23kg, aber schwer. Also musste noch ein orangenes Bandl mit der Aufschrift „Heavy“ dazu. Und auch der trug einen Strichcode, der eingelesen werden musste. 

Nach mehreren vergeblichen Versuchen resignierten Mensch und Maschine und wir wurden zu einem anderen Schalter geschickt. So ein altmodischer, an dem ein Mensch sitzt, den Koffer wiegt und einen guten Flug wünscht. Doch nein. Es war mittlerweile so spät, dass das Gepäck auf regulärem Weg nicht mehr rechtzeitig beim Flieger sein würde. Also wurden wir wieder zu einem anderen Schalter geschickt, jenem für Sondergepäck. Erstaunlicherweise ging hier alles ganz einfach und flott und jetzt galt es nur noch die Pass- und Sicherheitskontrolle zu meistern. Zum Glück ist der Fortschritt hierher noch nicht vorgedrungen und so dauerte es nicht mehr allzu lange und schon bald rannten wir an Cafes und Geschäften vorbei zu unserem Gate. Neuseeland hat auch auf technologischem Gebiet viel zu bieten, wie die hiesige Filmindustrie seit vielen Jahren auf beeindruckende Weise zeigt. Das ist auch schön und gut, doch ich hoffe inständig, dass die Welt der Reisenden von weiteren „biometrischen vollautomatischen Gepäckaufgabmaschinen“ verschont bleibt. Vielleicht zeigt ja Peter Jackson irgendwann Interesse an den Dingern und lässt sie in einer turbulenten Schlacht von Orks zertrümmern, von Alienpanzerfäusten in einem brennenden Feuerball aufgehen, meinentwegen von ein paar Hobbits in die brodelnde Lava des Schicksalsberges schmeissen. In so manchem Neuseeländischen Kino wäre ihm zumindest der frenetische Jubel der Air New Zealand-Fluggäste sicher.

Es war eine wunderbare Zeit in Neuseeland. Und es gäbe noch viel zu erzählen, ich nehme viele, viele schöne Erinnerungen mit von diesen 8.200 Kilometern durch das Land der langen weißen Wolke. Ich freue mich, diese Erinnerungen in mir zu tragen, sie teilen zu können, ein Stückchen der Gelassenheit und Entspanntheit dieser Reise und dieses Landes mit nach Hause zu nehmen.

  
Aber jetzt geht es erst einmal zur letzten Etappe unserer Reise: Cook Islands.